{"id":16759,"date":"2026-07-29T22:23:01","date_gmt":"2026-07-29T20:23:01","guid":{"rendered":"https:\/\/anturiongallery.com\/?p=16759"},"modified":"2026-08-02T22:58:56","modified_gmt":"2026-08-02T20:58:56","slug":"erweiterung-des-seins-fruehe-moderne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/anturiongallery.com\/de\/erweiterung-des-seins-fruehe-moderne\/","title":{"rendered":"Die Erweiterung des Seins, Teil 4"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h1 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Die Erweiterung des Seins Teil IV<\/h1>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Prolog<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"p1\">Das 17. Jahrhundert war f\u00fcr Europa ein Zeitalter der Ersch\u00fctterung. Kriege schienen den Kontinent kaum je zur Ruhe kommen zu lassen. In Teilen des Heiligen R\u00f6mischen Reiches riss das Zusammenspiel von Gewalt, Seuchen und Hunger fast die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung hinweg.<\/p>\n<p class=\"p1\">Mit der Kolonialisierung der Neuen Welt verlagerte sich der Schwerpunkt der europ\u00e4ischen Wirtschaft allm\u00e4hlich vom Mittelmeer an den Atlantik. W\u00e4hrend Spanien das Silber aus den Kolonien sch\u00f6pfte, entstanden in Amsterdam und London die Finanz- und Handelszentren, in denen sich der neue Reichtum sammelte und vermehrte.<\/p>\n<p class=\"p1\">Spanien geriet trotz der gewaltigen Silberflut immer st\u00e4rker in Abh\u00e4ngigkeit und Verschuldung. Es produzierte immer weniger eigene Waren und deckte einen Gro\u00dfteil seines Bedarfs durch Importe. Das Silber aus \u00dcbersee floss an ausl\u00e4ndische Gl\u00e4ubiger, diente der Schuldentilgung, der Finanzierung des Hofes und der Unterhaltung der Armeen. So wurden die Bankh\u00e4user des Kontinents reich und einflussreich; mit ihrem Kapital wuchsen in Nordeuropa Handel, Manufaktur und Schiffbau.<\/p>\n<p class=\"p1\">Am Ende dieser Verschiebung stand eine neue Ordnung. Die wirtschaftliche und politische Dynamik Europas verlagerte sich vom S\u00fcden in den Norden. Die Niederlande und England wurden zu den Zentren einer globalen, kapitalistisch gepr\u00e4gten Moderne.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Vom Feudalismus zum Merkantilismus<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"p1\">Im 17. Jahrhundert wurde der Merkantilismus f\u00fcr viele europ\u00e4ische Staaten zum wirtschaftlichen Leitbild. Er beruhte auf der Vorstellung, dass Reichtum nur begrenzt vermehrbar sei und sich staatliche Macht vor allem durch die Aneignung von Edelmetallen, Rohstoffen und Handelsvorteilen steigern lasse.<\/p>\n<p class=\"p1\">Wer mehr f\u00fcr sich beanspruchte, lie\u00df anderen weniger. Diese Logik f\u00f6rderte koloniale Expansion und Handelskriege. Reichtum galt zunehmend als Voraussetzung politischer Macht und milit\u00e4rischer Durchsetzung. Mit dem Aufstieg der gro\u00dfen Handelskompanien begann ein neuer Abschnitt der Wirtschaftsgeschichte und eine neue Form globaler Machtaus\u00fcbung.<\/p>\n<p>Die 1600 gegr\u00fcndete Englische Ostindien-Kompanie und die 1602 gegr\u00fcndete Niederl\u00e4ndische Ostindien-Kompanie erhielten Handelsprivilegien und Monopolrechte in weiten Regionen. Doch sie waren weit mehr als Handelsunternehmen. Mit eigenen Armeen, und Flotten vereinten sie wirtschaftliche, milit\u00e4rische und politische Macht in einer f\u00fcr die Zeit neuartigen Form.<br \/>\nIhre Organisations- und Herrschaftsmodelle wurden zu pr\u00e4genden Vorbildern kolonialer Expansion in den folgenden Jahrhunderten.<\/p>\n<p class=\"p1\">Ihr Aufstieg, ebenso wie die wachsende Konzentration von Reichtum in den H\u00e4nden weniger, beschleunigte den Zerfall \u00e4lterer feudaler Strukturen. Schritt f\u00fcr Schritt trat an ihre Stelle eine Ordnung, die sich immer deutlicher am Profit orientierte. W\u00e4hrend in Europa der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg tobte, unterwarf sich der Kontinent zunehmend einem anderen Ma\u00dfstab: dem des Kapitals.<\/p>\n<p class=\"p1\">Noch war die europ\u00e4ische Wirtschaft weitgehend auf den Binnenhandel angewiesen.\u00a0<br \/>\nDoch kolonial importierte Luxusg\u00fcter wie Gew\u00fcrze, Tee und Zucker wurden zu begehrten Statussymbolen. Lange blieben sie dem Adel und den reichsten Eliten vorbehalten.<br \/>\nZwar gab es im 16. Jahrhundert in St\u00e4dten wie Antwerpen, Amsterdam oder Augsburg eine wohlhabende Kaufmannsschicht, doch die gro\u00dfe Mehrheit der Bev\u00f6lkerung sah von Zucker, Tee oder Nelken kaum je etwas.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Die fr\u00fche Moderne<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Reformation zerriss die Einheit der christlichen Kirche und stellte ihre Dogmen infrage.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Kirche, die jahrhundertelang H\u00fcterin der Wahrheit gewesen war, verlor zunehmend ihre unangefochtene Autorit\u00e4t. Katholiken und Protestanten bek\u00e4mpften einander mit einer Grausamkeit, deren Spuren Europa bis heute pr\u00e4gen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Spanische Inquisition w\u00fctete, der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg tobte, und in diesem zerrissenen Europa entstanden die entscheidenden Werke der fr\u00fchen Aufkl\u00e4rung.<\/p>\n<p class=\"p1\">Doch nicht nur der Glaube wurde infrage gestellt. Auch das Weltbild zerfiel: Kopernikus hatte 1543 gezeigt, dass die Erde nicht im Zentrum des Universums stand. Giordano Bruno wurde 1600 verbrannt; seine Vorstellung eines unendlichen Universums galt vielen Zeitgenossen als unertr\u00e4glicher Angriff auf die Ordnung der Welt.<\/p>\n<p class=\"p1\">Tycho Brahe markierte einen entscheidenden Moment im \u00dcbergang zu einem neuen Weltverst\u00e4ndnis. Als er 1572 einen \u201eneuen Stern\u201c am Himmel beobachtete, vertraute er nicht \u00fcberlieferten Gewissheiten, sondern pr\u00e4zisen Messungen. Damit geriet eine grundlegende Annahme seiner Zeit ins Wanken: Der Himmel war nicht l\u00e4nger der perfekte, unver\u00e4nderliche Raum, als den man ihn verstanden hatte.<\/p>\n<p class=\"p1\">Johannes Kepler trieb diesen Wandel weiter voran. Er beschrieb die Bewegung der Planeten mit bis dahin unerreichter Genauigkeit und zeigte, dass sie keinen vollkommenen Kreisen, sondern berechenbaren Bahnen folgten. Damit korrigierte und vertiefte er das heliozentrische Modell von Kopernikus und legte eine wichtige Grundlage f\u00fcr die sp\u00e4tere Physik Isaac Newtons.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Ein Wendepunkt im Denken<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Welt wurde nicht l\u00e4nger als schlicht gottgegebene Ordnung verstanden, sondern zunehmend als beobachtbare, messbare Realit\u00e4t, deren Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit nicht durch kirchliche Autorit\u00e4t festgelegt war.<\/p>\n<p class=\"p1\">In dieser Verschiebung liegt mehr als wissenschaftlicher Fortschritt. W\u00e4hrend Europa begann, den Himmel zu vermessen, entstand zugleich der Anspruch, auch die Erde zu ordnen. Beobachtung wurde zur Grundlage von Wissen, und Wissenschaft immer st\u00e4rker zur Grundlage von Macht.<\/p>\n<p class=\"p1\">Michel de Montaigne schrieb um 1580 in seinem Essay \u00dcber die Menschenfresser, dass wir nur das barbarisch nennen, was nicht unseren eigenen Gebr\u00e4uchen entspricht. Er hielt den Europ\u00e4ern die Grausamkeit ihrer eigenen Kriege und Folterpraktiken vor. Der Vorwurf des \u201eKannibalen\u201c dient bei ihm vor allem dazu, den Anderen zu entmenschlichen und Gewalt zu rechtfertigen. Das eigentliche Grauen liegt f\u00fcr Montaigne nicht bei den Indigenen, sondern in der europ\u00e4ischen Praxis von Folter und Ausrottung.<\/p>\n<p class=\"p1\">Galileo Galilei gab dieser neuen Haltung die entscheidende wissenschaftliche Form. Er behauptete, das \u201eBuch der Natur\u201c sei in der Sprache der Mathematik geschrieben. Damit vollzog er eine radikale Unterscheidung zwischen den messbaren Eigenschaften der Materie, wie Gr\u00f6\u00dfe und Gewicht, und den blo\u00df empfundenen Qualit\u00e4ten wie Farbe, Geschmack oder Duft. Was sich nicht berechnen l\u00e4sst, verliert an Wirklichkeit.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Natur verliert ihre Sinnlichkeit; sie ist immer weniger ein \u201eDu\u201c, das zu uns spricht, und zunehmend ein stummes Objekt, das sich in Formeln fassen l\u00e4sst. Mit Galilei verdichtet sich eine Denkweise, die sich bereits zuvor angek\u00fcndigt hatte und sp\u00e4ter durch Descartes, Bacon und Newton weitergef\u00fchrt wurde: die \u00dcberzeugung, dass die Welt dort am verl\u00e4sslichsten erkennbar ist, wo sie sich messen, berechnen und mathematisch beschreiben l\u00e4sst.<\/p>\n<p class=\"p1\">1633 wurde Galileo von der Inquisition verurteilt, weil er die Bewegung der Erde um die Sonne verteidigte. Nur vier Jahre sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte Descartes seinen Discours de la m\u00e9thode. Die Welt, wie man sie kannte, war nicht mehr sicher.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Emanzipation und Entfremdung<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Reformation entzauberte viele sakrale Br\u00e4uche und verlagerte einen Teil der religi\u00f6sen Erfahrung in das Gewissen des Einzelnen. Der Mensch gewann Eigenverantwortung und Gewissensfreiheit; er durfte und musste die Bibel nun selbst lesen und sich unmittelbar mit seinem Glauben auseinandersetzen. Zugleich verlor die Welt in Teilen des reformatorischen Denkens ihre sakrale Durchdringung und wurde mehr und mehr zum Schauplatz von Arbeit,\u00a0Pflicht und Gehorsam.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Reformation war nicht der Ursprung dieser Entwicklung, doch sie verst\u00e4rkte eine Verschiebung, die bereits begonnen hatte: Der Geist zog sich zunehmend aus der \u00e4u\u00dferen, sakral gedeuteten Welt in das Innere des Individuums zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"p1\">Der Calvinismus machte das Heil zu einer Aufgabe des Einzelnen. Arbeit und Erfolg galten als Beweis der Erw\u00e4hlung, die Natur wurde zur leeren B\u00fchne, und der Einzelne tauschte die Geborgenheit der Kirche gegen die einsame Freiheit der Selbstverantwortung.<\/p>\n<p class=\"p1\">\u00dcber Jahrhunderte hinweg hatte der katholische Glaube ein unersch\u00fctterliches Fundament geboten: Die Welt war gottgegeben, fest gef\u00fcgt und \u00fcberschaubar. Die Spaltung der Kirche durch die Reformation und die darauffolgenden verheerenden Kriege machten diese Gewissheit zunichte. Wenn der Nachbar pl\u00f6tzlich zum feindlichen Ketzer wurde und Christen im Namen desselben Gottes einander bek\u00e4mpften, geriet der Glaube selbst in die Krise. Das Volk erlebte eine bis dahin unvorstellbare geistige Orientierungslosigkeit.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Autorit\u00e4t der Kirche war ersch\u00fcttert, denn sie hatte sich als unf\u00e4hig erwiesen, Frieden zu stiften; im Gegenteil, sie hatte den Krieg aktiv befeuert. Der Papst rief die katholischen F\u00fcrsten zum unerbittlichen Kampf gegen die vermeintlichen Ketzer auf, w\u00e4hrend sich die protestantischen F\u00fcrsten ihrerseits als auserw\u00e4hlte Werkzeuge Gottes verstanden. Indem beide Seiten die alleinige Wahrheit f\u00fcr sich beanspruchten, verweigerten sie jeden Kompromiss und trieben den Kontinent weiter in die Spaltung.<\/p>\n<p class=\"p1\">Was als Luthers Kritik am Ablasshandel und an der p\u00e4pstlichen Autorit\u00e4t begann, endete in einer Jahrhundertkatastrophe, die Europa verw\u00fcstete.<\/p>\n<p class=\"p2\">[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Die Hexenverfolgungen<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"p1\">Entgegen einer weit verbreiteten Vorstellung waren die gro\u00dfen europ\u00e4ischen Hexenverbrennungen kein Ph\u00e4nomen des \u201efinsteren Mittelalters\u201c. Ihren H\u00f6hepunkt erreichten sie in der Fr\u00fchen Neuzeit, besonders zwischen dem sp\u00e4ten 16. und der Mitte des 17. Jahrhunderts. Zehntausende Menschen wurden als Hexen verfolgt und hingerichtet, die meisten von ihnen Frauen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Ursachen waren vielf\u00e4ltig. Religi\u00f6se Konflikte, d\u00e4monologische Vorstellungen, lokale Machtverh\u00e4ltnisse, soziale Spannungen, Kriege, Hunger und die zunehmende Durchsetzung staatlicher und kirchlicher Autorit\u00e4t wirkten zusammen. Zugleich gerieten Wissensformen und Lebensweisen unter Druck, die sich neuen Ordnungen nur schwer unterwerfen lie\u00dfen. \u00dcber Generationen weitergegebenes Wissen \u00fcber Pflanzen, Heilmethoden, Geburt und den menschlichen K\u00f6rper beruhte vielfach auf Erfahrung und unmittelbarer Beobachtung.<\/p>\n<p class=\"p1\">Frauen spielten bei der Weitergabe dieses Wissens in vielen Gemeinschaften eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p class=\"p1\">In dieser Epoche ver\u00e4nderte sich das Verh\u00e4ltnis zwischen anerkanntem und nicht anerkanntem Wissen. Medizin und Naturforschung wurden zunehmend institutionalisiert und professionalisiert. Wissen wurde systematisiert und st\u00e4rker an Institutionen gebunden, w\u00e4hrend manche lokale und m\u00fcndlich \u00fcberlieferte Formen des Erfahrungswissens an gesellschaftlicher Autorit\u00e4t verloren.<\/p>\n<p class=\"p1\">Auch das europ\u00e4ische Naturverst\u00e4ndnis wandelte sich. Neben \u00e4lteren Vorstellungen von einer lebendigen Natur gewann ein mechanistisches Weltbild an Bedeutung. Die Natur konnte vermessen, mathematisch beschrieben und als Gegenstand menschlicher Erkenntnis betrachtet werden.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Hexenverfolgungen waren dabei kein blo\u00dfes Instrument dieses Wandels, doch sie geh\u00f6ren in dieselbe widerspr\u00fcchliche Epoche: Die fr\u00fche Moderne entstand nicht durch Bruch mit dem Alten, sondern durch Widerspruch. Wissenschaftliche Erkenntnis und religi\u00f6ser Fanatismus, neue Freiheiten und neue Formen der Kontrolle, die Erweiterung des Wissens und die Ausgrenzung anderer Wissensformen existierten nebeneinander.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Im Himmel wie auf Erden<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"p1\">W\u00e4hrend Teleskope den Himmel vermessen und Mathematiker die Natur in Formeln fassten, vollzog sich auf der Erde eine andere, nicht minder folgenreiche Form der Abstraktion: Reale Natur, menschliche Arbeit und materielle G\u00fcter wurden zunehmend in Geldwerte, Kredit und handelbares Kapital \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p class=\"p1\">Eine der gro\u00dfen Ironien dieser Epoche besteht darin, dass die Neue Welt unter dem Vorwand der christlichen Mission unterworfen wurde, im Namen des einzig wahren Gottes. Doch in Europa bek\u00e4mpften sich die Anh\u00e4nger eben dieses Gottes in blutigen Religionskriegen, finanziert mit Silber, das man jenseits des Ozeans unter demselben Kreuz angeeignet hatte.<\/p>\n<p class=\"p1\">Eine gewaltige Quelle dieses neuen Reichtums lag jenseits des Atlantiks. In den 1540er Jahren wurden in den Minen von Zacatecas und Potos\u00ed immense Silbervorkommen entdeckt und in einem bis dahin kaum gekannten Ausma\u00df gef\u00f6rdert, unter Bedingungen extremer Ausbeutung und Gewalt. Der \u201ereiche Berg\u201c wurde zu einem der bedeutendsten Zentren der kolonialen Silberproduktion und zu einem Knotenpunkt einer Wirtschaft, deren Verbindungen bald gro\u00dfe Teile der Welt umspannten.<\/p>\n<p class=\"p1\">Zu dieser Zeit versch\u00e4rften sich in Europa die Konfessionskonflikte dramatisch. Die Entdeckung des amerikanischen Silbers fiel zeitlich zusammen mit der Reformation Luthers von 1517, der Spaltung der Kirche und dem Beginn der habsburgischen Gegenreformation.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die habsburgischen Kaiser, allen voran Karl V. und sein Sohn Philipp II., verstanden sich als weltliche Arme der katholischen Kirche. Sie sahen sich berufen, den Protestantismus mit aller Macht zu bek\u00e4mpfen und die Ketzer mit dem Schwert zu verfolgen<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Der K\u00f6nigliche F\u00fcnftel<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"p1\">Die habsburgischen Herrscher waren jedoch chronisch hoch verschuldet. Die gro\u00dfen Bankh\u00e4user wie die Fugger, die Welser und genuesische Handelsfamilien hatten ihnen bereits gewaltige Summen geliehen. Das Silber aus \u00dcbersee war daher nicht nur Beute; es wurde zur Grundlage ihrer Kreditw\u00fcrdigkeit.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Spanische Krone beanspruchte als Gegenleistung f\u00fcr die Missionierungserlaubnis, das sogenannte Patronato Real, ein F\u00fcnftel aller Edelmetallfunde: den Quinto Real. Dieses k\u00f6nigliche F\u00fcnftel floss direkt in die Kassen der S\u00f6ldnerf\u00fchrer, in die Arsenale von Mailand und Neapel sowie in die Kriegsflotten, die gegen die protestantischen M\u00e4chte eingesetzt wurden.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die protestantischen F\u00fcrsten im Reich, die sich dem Kaiser entgegenstellten, bek\u00e4mpften damit nicht nur einen religi\u00f6sen Gegner, sondern eine Macht, deren S\u00f6ldner und Kanonenkugeln mit amerikanischem Silber finanziert wurden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Die Lebensader der Macht<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Silberflotten, die j\u00e4hrlich in C\u00e1diz anlegten, wurden im 16. Jahrhundert zur Lebensader der habsburgischen Politik. Ohne die Ertr\u00e4ge aus Potos\u00ed w\u00e4re die Politik Philipps II. in dieser Form kaum denkbar gewesen. Und ohne diese Ressourcen h\u00e4tte der Achtzigj\u00e4hrige Krieg einen anderen Verlauf genommen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Mit ihm hing auch die Entstehung eines unabh\u00e4ngigen Holland zusammen, das wenig sp\u00e4ter selbst zur Kolonialmacht aufstieg und die Konkurrenz um globale Macht neu ordnete. Die Geschichte von Reformation und Gegenreformation ist daher nicht nur eine Geschichte der Theologie und der Buchdruckerkunst. Sie ist ebenso die Geschichte eines weltweiten Raubzugs, dessen Ertr\u00e4ge Konflikte in diesem Ausma\u00df \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glichten.<\/p>\n<p class=\"p1\">Das koloniale Silber lieferte den finanziellen Treibstoff f\u00fcr den Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg, der den europ\u00e4ischen Kontinent weitgehend verw\u00fcstete. Die Neue Welt diente der Kirche nicht nur als Seelenfang, sondern auch als Geldquelle. Mission und Kriegskasse waren zwei Seiten derselben Medaille.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">F\u00fcr Gott und Geld<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p class=\"p1\">Der in den Anden und in Mexiko extrahierte Reichtum ver\u00e4nderte nicht nur die Kriegsf\u00fchrung; er transformierte die gesamte europ\u00e4ische Wirtschaft. Die Mengen an Silber und Gold, die Spanien im 17. Jahrhundert aus Amerika bezog, sind sehr gut dokumentiert.<\/p>\n<p class=\"p1\">In normalen Jahren verlie\u00dfen zwei gro\u00dfe Flotten Amerika: eine von Veracruz in Mexiko, eine von Portobelo in Panama. Jede bestand aus 15 bis 30 Schiffen, was auf ein Jahrhundert gerechnet auf knapp 5.000 Transatlantikpassagen hinausl\u00e4uft, wenn man die Ausf\u00e4lle durch Krieg, Piraterie und St\u00fcrme mit einbezieht.<\/p>\n<p class=\"p1\">Silber- und Goldbarren sowie M\u00fcnzen machten pro Schiff meist 100 bis 200 Tonnen des Frachtgewichts aus, gut gesichert im tiefsten Rumpf der Galeonen. Wenn eine Flotte im Hafen von Sevilla einlief, bewegte sie auf einen Schlag eine gewaltige Menge Kolonialg\u00fcter und Edelmetall nach Europa.<\/p>\n<p class=\"p1\">Zwischen 1500 und 1800 produzierten die spanisch-amerikanischen Minen (vor allem Potos\u00ed im heutigen Bolivien und Zacatecas in Mexiko) sch\u00e4tzungsweise 150.000 bis 170.000 metrische Tonnen Silber, wobei der gr\u00f6\u00dfte Teil, etwa 70 bis 80 Prozent aus Potos\u00ed stammte. Das erbeutete Gold wird auf \u00fcber 1000 tonnen gesch\u00e4tzt.<br \/>Diese Zahlen stellen offizielle Register und realistische Sch\u00e4tzungen dar. Sie erfassen nicht den massiven Schmuggel, die Korruption oder das nicht dokumentierte Einschmelzen von Gold und Silbergegenst\u00e4nden, sodass die tats\u00e4chliche Produktion h\u00f6her lag.<\/p>\n<p class=\"p1\">Wenn man die \u201eAlmacenes&#8220;, die imposanten Tresorgew\u00f6lbe in der Festung Real Felipe in Callao gesehen hat, begreift man die Dimensionen dieser gigantischen Operation: hallende R\u00e4ume von immenser Gr\u00f6\u00dfe, erbaut f\u00fcr den einzigen Zweck, das Silber und Gold der Anden zu stapeln, bevor es mit der Atlantikflotte nach Europa verschifft wurde.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Silber und Schuld<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Silberflut lie\u00df die Preise in Europa zwischen 1540 und 1640 stark ansteigen, besonders bei Grundnahrungsmitteln. Dies belastete die st\u00e4dtischen Unterschichten und setzte auch die l\u00e4ndliche Bev\u00f6lkerung unter Druck. F\u00fcr Spanien selbst erwies sich der Reichtum aus \u00dcbersee eher belastend als nachhaltig, da die Kaufkraft des Silbers mit der Inflation sank. Trotz der Zufl\u00fcsse musste die spanische Krone im 17. Jahrhundert mehrfach den Staatsbankrott erkl\u00e4ren: 1607, 1627, 1647 und 1662.<\/p>\n<p class=\"p1\">Ein gro\u00dfer Teil des Silbers verblieb zudem nicht im Land. Es floss \u00fcber die Krone unmittelbar an deutsche und genuesische Bankh\u00e4user, die die Kriege finanzierten, sowie an ausl\u00e4ndische Lieferanten der Armeen. So gingen etwa 1590 von 11 Millionen angekommenen Pesos rund 6 Millionen direkt nach Italien, um Milit\u00e4rausgaben und Importe zu decken.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Der Vorwand der Mission<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"p1\">Die spanische Krone rechtfertigte ihre Eroberungen mit dem Auftrag, den christlichen Glauben zu verbreiten. Die Bekehrung der indigenen Bev\u00f6lkerung wurde zur moralischen Legitimation der Kolonisierung. Zugleich standen hinter diesem Anspruch jedoch handfeste wirtschaftliche und machtpolitische Interessen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die theologische Akrobatik der Kirche lieferte den geistigen \u00dcberbau f\u00fcr die koloniale Expansion. Die Indigenen wurden als Heiden, als Unm\u00fcndige oder als von Gott Verlassene dargestellt, als Menschen, die der Rettung durch die Europ\u00e4er bedurften. Diese Argumentation machte aus der Eroberung eine Pflicht, aus der Unterwerfung einen Akt der Barmherzigkeit.<\/p>\n<p class=\"p1\">Dasselbe Silber, das die Mission in \u00dcbersee trug und legitimierte, finanzierte auch die Kriege in Europa, auch gegen andere christliche M\u00e4chte. Ein pr\u00e4gendes Merkmal dieser Epoche liegt darin, dass christliche N\u00e4chstenliebe faktisch h\u00e4ufig auf die eigene Konfession begrenzt blieb, w\u00e4hrend die Ressourcen der Neuen Welt genutzt wurden, um religi\u00f6se und politische Konflikte im eigenen Raum auszutragen. Wer die Schatzkammern kontrollierte, kontrollierte die Waffen; wer die Artillerie kontrollierte, konnte den Anspruch erheben, im Namen Gottes zu handeln.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Revolten, Bilderst\u00fcrme und Belagerungen in Europa waren nicht allein Glaubenskriege. Sie wurden auch von Ressourcen gen\u00e4hrt, die in \u00dcbersee mit Gewalt extrahiert worden waren. Was wie ein Religionskrieg erschien, war zugleich ein Kampf um Macht und Reichtum, befeuert von kolonialem Silber und bezahlt mit indigenem Blut.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Widerspruch und Gewissheit<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"p1\">W\u00e4hrend diese Auseinandersetzungen gef\u00fchrt wurden, waren die Gesellschaften der Neuen Welt massiver Gewalt ausgesetzt: Unterdr\u00fcckung, Zwangsarbeit und eingeschleppte Krankheiten f\u00fchrten zur Dezimierung oder Zerst\u00f6rung ganzer Bev\u00f6lkerungen und zur Zerr\u00fcttung sozialer Strukturen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Darin tritt ein grundlegender Widerspruch der Epoche klar hervor: Ein religi\u00f6ser Anspruch, der universelle Geltung beanspruchte, wurde in der Praxis mit Mitteln durchgesetzt, die ihm eindeutig widersprachen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Bartolom\u00e9 de Las Casas<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"p2\">Als Teilnehmer an der Eroberung Kubas war er selbst Konquistador und besa\u00df eine Encomienda, ein St\u00fcck Land mitsamt der darauf lebenden indigenen Bev\u00f6lkerung, die zur Zwangsarbeit verpflichtet war. Seine Wende begann 1511, als der Dominikaner Antonio de Montesinos in einer ber\u00fchmten Predigt die Kolonisatoren anklagte und die Beichte verweigerte. Daraufhin gab er seine L\u00e4ndereien und die ihm zugeteilten Indianer zur\u00fcck und begann sein Leben dem Kampf f\u00fcr ihre Rechte zu widmen.<\/p>\n<p class=\"p2\">In seinen Schriften, vor allem in der Kurzgefassten Geschichte der Zerst\u00f6rung der Indias, prangerte er die Grausamkeiten der Konquistadoren an, die er als Augenzeuge erlebt hatte.<\/p>\n<p class=\"p2\">Er schrieb schon 1552 in seinem Bericht:<\/p>\n<p class=\"p2\">\u201eDie Christen fingen damit an, dass sie den Indianern ihre Frauen und Kinder entrissen, sich ihrer bedienten und sie misshandelten. \u2026 Sie drangen unter das Volk, schonten weder Kind noch Greis, weder Schwangere noch Entbundene, rissen ihnen die Leiber auf und hieben alle in St\u00fccke\u2026\u201c<\/p>\n<p class=\"p2\">Und \u00fcber die grausamen Hinrichtungen schreibt er:<\/p>\n<p class=\"p2\">\u201eSie bauten gro\u00dfe Galgen, die so beschaffen waren, dass die F\u00fc\u00dfe der Opfer beinahe den Boden ber\u00fchrten und man jeweils dreizehn von ihnen henken konnte, und zu Ehren und zur Anbetung unseres Heilands und der zw\u00f6lf Apostel legten sie Holz darunter und z\u00fcndeten es an, um sie bei lebendigem Leibe zu verbrennen.\u201c<\/p>\n<p class=\"p2\">(<em>Brev\u00edsima relaci\u00f3n de la destrucci\u00f3n de las Indias, Sevilla 1552<\/em>)<\/p>\n<p class=\"p1\">[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Alle V\u00f6lker der Welt sind Menschen<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"p1\">Mit dem Satz<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>stellte Bartolom\u00e9 de Las Casas im 16. Jahrhundert eine \u00dcberzeugung infrage, die den Eroberern als moralische Rechtfertigung diente. Seine Worte richteten sich nicht nur gegen die Gewalt der Konquistadoren, sondern auch gegen die Vorstellung, dass der Wert eines Menschen von Herkunft, Religion oder Kultur abh\u00e4nge. F\u00fcr seine Zeit markiert dies eine fr\u00fche und bemerkenswert klare Form der Argumentation f\u00fcr eine universelle menschliche W\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"p1\">Dennoch setzte sich die koloniale Expansion fort. Mission, kommerzielle Interessen und milit\u00e4rische Gewalt blieben eng miteinander verbunden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Die Illusion der Weltbeherrschung<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\"><\/h2>\n<p class=\"p1\">Diese massive Silberflut hinterlie\u00df ihre Spuren nicht nur auf den Schlachtfeldern, sondern pr\u00e4gte auch das Gesicht des Kontinents. Das Barockzeitalter verwandelte den angeh\u00e4uften Reichtum in eine beispiellose Kulisse aus Gold, Stein und Illusion.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die gewaltigen Schlossanlagen absolutistischer Herrscher und die \u00fcberbordend verzierten Kathedralen der Gegenreformation dienten als steingewordene Propaganda. Sie sollten die Untertanen nicht nur beeindrucken, sondern durch Pracht und \u00dcberw\u00e4ltigung die Ordnung der Dinge als nat\u00fcrlich und gottgewollt erscheinen lassen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Der Barock bediente sich einer F\u00fclle kostbarer Materialien: Marmor, Gold, edler H\u00f6lzer und seltener Pigmente. Die opulenten Alt\u00e4re in Sevilla, Rom oder Wien waren keine unschuldigen Zeugnisse der Fr\u00f6mmigkeit, sondern gl\u00e4nzende Troph\u00e4en einer Weltordnung, die koloniale Gewalt und innere Verarmung in Machtarchitektur verwandelte. Das Elend der Indios in Amerika und die Armut der eigenen Landbev\u00f6lkerung wurden in Gold gegossen, um die absolute Macht von Kirche und Krone als unantastbar in Szene zu setzen.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Der zerbrochene Traum<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"p1\">So stand Europa am Ende des 17. Jahrhunderts in einer Tr\u00fcmmerlandschaft, die es sich selbst geschaffen hatte, bezahlt mit dem Leid indigener Menschen und dem Elend der eigenen Bev\u00f6lkerung. Das Silber aus Amerika war verschwunden, die Kassen der spanischen Krone leer. W\u00e4hrend Finanz und Handel reicher wurden, versickerte der Reichtum in Kriege, Prunk und den Traum von der Weltherrschaft.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die St\u00e4dte lagen vielerorts in Schutt und Asche, die Felder waren verw\u00fcstet, die Bev\u00f6lkerung dezimiert. Der eigene Glaube wurde infrage gestellt, und das Vertrauen in die Kirche war tief ersch\u00fcttert. W\u00e4hrend der Adel in Madrid und Versailles Feste feierte und die Intellektuellen \u00fcber Menschenrechte diskutierten, hungerten die Bauern auf dem Land, und die Monarchen r\u00fcsteten schon f\u00fcr die n\u00e4chsten Kriege.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Der Verlust alter Gewissheiten<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"p1\">W\u00e4hrend die alten Gewissheiten zerbr\u00f6ckelten, entstanden neue Ordnungen, die Wissen, Macht und wirtschaftliche Interessen auf bislang ungeahnte Weise miteinander verbanden.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Kolonisierung der Neuen Welt und das Wissen um die Existenz bisher unbekannter Zivilisationen wirkten wie ein Schock auf das europ\u00e4ische Selbstverst\u00e4ndnis. Pl\u00f6tzlich gab es ganze Kontinente voller Menschen, die in der Bibel nie erw\u00e4hnt worden waren.<\/p>\n<p class=\"p1\">Diese Begegnung mit dem Fremden zwang die Europ\u00e4er zu der Erkenntnis, dass ihre Welt nur ein Teil eines viel gr\u00f6\u00dferen Ganzen war. Einerseits n\u00e4hrte dies einen gef\u00e4hrlichen zivilisatorischen Hochmut, andererseits keimte erstmals der Gedanke auf, dass die eigene Lebensweise nicht die einzig denkbare war.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Der Geist des Kapitals<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"p1\">Der Aufstieg der Handelskompanien und die Kommerzialisierung der Wirtschaft ver\u00e4nderten das Denken der st\u00e4dtischen Eliten grundlegend. Arbeit und Natur wurden zunehmend unter dem Aspekt des Nutzens und der Beherrschung betrachtet. Die Angeh\u00f6rigen der aufstrebenden Oberschicht definierten ihren gesellschaftlichen Wert nicht mehr allein \u00fcber den angestammten Stand, sondern zunehmend \u00fcber wirtschaftlichen Erfolg.<\/p>\n<p class=\"p1\">Nach 1648 hatte sich in den Zentren von Wissenschaft, Politik und Handel zunehmend eine neue Sicht auf die Welt durchgesetzt. Die Rohstoffe und die in den Kolonien lebenden Menschen wurden immer mehr als verf\u00fcgbare Ressourcen betrachtet. Zugleich entwickelten Kaufleute und Staaten Methoden, um Kontrolle und Unterdr\u00fcckung systematisch und mit skrupelloser H\u00e4rte durchzusetzen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Diese Vorgehensweise erzeugte nicht nur enorme Macht und Profite, sondern schuf zugleich die strukturellen Voraussetzungen f\u00fcr eine weitergehende wirtschaftliche Ausbeutung und politische Beherrschung.<\/p>\n<p class=\"p1\">Denn in den Kolonien war etwas Entscheidendes gelernt worden: wie sich Menschen systematisch beherrschen lie\u00dfen. Enteignung, die Zerlegung der Arbeit in isolierte Teilschritte und starre Hierarchien bildeten ein System, das kaum Raum f\u00fcr Selbstbestimmung lie\u00df. Gerade darin lag seine Wirksamkeit.<\/p>\n<p class=\"p1\">Nach 1700 wurden dieselben Techniken systematisch nach Europa reimportiert.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Privatisierung von Gemeindel\u00e4ndern in England und Kontinentaleuropa vernichtete die Gemeindewirtschaft; Millionen wurden entwurzelt. Fabriken entstanden nicht als technische Notwendigkeit, sondern als Kontrollinstrument nach kolonialem Vorbild. Der europ\u00e4ische Arbeiter war das neue Subjekt kolonialer Ausbeutung, nur diesmal auf eigenem Boden<\/p>\n<p class=\"p1\">Was als Herrschaft \u00fcber ferne Territorien begann, kehrte als Prinzip sozialer Kontrolle nach Europa zur\u00fcck. Die Ironie: Im Bem\u00fchen, die Welt zu unterwerfen, kolonisierte sich Europa selbst.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Die fr\u00fche Globalisierung<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Die Geschichte der East India Company verdeutlicht, dass die Entstehung der modernen Weltwirtschaft keine neutrale Erfolgsgeschichte war. Sie beruhte vielfach auf Zwang, extremer Ungleichheit und skrupelloser Machtpolitik.<\/p>\n<p>Die Silberminen von Potos\u00ed und Zacatecas lieferten das Edelmetall, mit dem Europa seinen Handel mit Asien finanzierte. Ohne das Silber aus der Neuen Welt h\u00e4tte die East India Company ihre Expansion nach Indien und China kaum in diesem Ausma\u00df verwirklichen k\u00f6nnen. Das amerikanische Silber wurde damit zu einem der wichtigsten Treibstoffe des ersten globalen Handelsimperiums.<\/p>\n<p>Das amerikanische Silber wurde in Indien gegen Baumwollstoffe und andere Waren eingetauscht, sp\u00e4ter in China gegen Tee und Porzellan. Diese G\u00fcter gelangten anschlie\u00dfend nach Europa und in die nordamerikanischen Kolonien. So verband ein weltumspannender Handelskreislauf erstmals Amerika, Europa und Asien dauerhaft miteinander.<\/p>\n<p>Nicht alles, was sp\u00e4ter als nat\u00fcrliche Entwicklung dargestellt wurde, war Fortschritt f\u00fcr alle; in den meisten F\u00e4llen bedeutete es Fortschritt f\u00fcr einige, und f\u00fcr viele bedeutete es Enteignung, Vertreibung und die systematische Verweigerung von Selbstbestimmung.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<h2 class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Die Aufkl\u00e4rung<\/h2>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Gegen Ende des 17. Jahrhunderts begannen sich in den Universit\u00e4ten und Gelehrtenkreisen Nordwesteuropas jene Ideen herauszubilden, aus denen sich im folgenden Jahrhundert die Aufkl\u00e4rung entwickelte.<\/p>\n<p>Es entstand ein neues Selbstverst\u00e4ndnis des Menschen. Nicht mehr Offenbarung und Autorit\u00e4t, sondern die eigene Vernunft sollte fortan Ma\u00dfstab des Denkens und Handelns sein. Der Mensch k\u00f6nne aus eigener Kraft die Welt erkennen und gestalten, so die \u00dcberzeugung der Aufkl\u00e4rer, vorausgesetzt, er befreie sich von Vorurteilen und kirchlicher Bevormundung.<\/p>\n<p>Diese Ideen waren jedoch kein Allgemeingut, sondern Privileg einer winzigen Minderheit. Die Aufkl\u00e4rung lieferte nicht nur die Ideale von Freiheit und Gleichheit, sondern auch die Kategorien, mit denen Menschen in \u201ezivilisiert&#8220; und \u201eunzivilisiert&#8220; eingeteilt wurden, und sie gab der Unterdr\u00fcckung eine scheinbar vern\u00fcnftige, wissenschaftliche Legitimation.<\/p>\n<p>Sie erreichten nur einen winzigen Bruchteil der Bev\u00f6lkerung: gebildete B\u00fcrger, reformwillige Adlige, wohlhabende Kaufleute und einzelne Geistliche. Die gro\u00dfe Mehrheit, Bauern, Tagel\u00f6hner, Handwerker und Frauen hatten weder Zugang zu den Schriften der Philosophen noch die Mu\u00dfe, \u00fcber Vernunft und Menschenrechte zu philosophieren. F\u00fcr sie blieb die Welt, wie sie war: gepr\u00e4gt von harter Arbeit, kirchlicher Autorit\u00e4t und den unverr\u00fcckbaren Hierarchien von Stand und Geschlecht.<\/p>\n<p>Der universalistische Anspruch der Aufkl\u00e4rung war von Beginn an gr\u00f6\u00dfer als ihre gesellschaftliche Reichweite. Und doch entfaltete er eine Sprengkraft, die die bestehenden Verh\u00e4ltnisse herausfordern sollte. Die Vernunft wurde zur Waffe gegen die Dogmen der Kirche und die alte Ordnung, zun\u00e4chst jedoch in den H\u00e4nden jener, die bereits Macht und Bildung besa\u00dfen.<\/p>\n<p>Sie war ein Elitenprojekt, das erst sp\u00e4ter, auf Umwegen, die breite Bev\u00f6lkerung erreichte. Und sie blieb, selbst dann, ein unvollendetes Projekt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_code _builder_version=&#8220;4.27.6&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; width=&#8220;100%&#8220; max_width=&#8220;23%&#8220; module_alignment=&#8220;center&#8220; locked=&#8220;off&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<div style=\"display: flex; align-items: center; justify-content: center; margin: 4em 0;\"><!-- [et_pb_line_break_holder] -->  <\/p>\n<div style=\"flex: 1; height: 2px; background-color: #000000; margin-right: 1em;\"><\/div>\n<p><!-- [et_pb_line_break_holder] -->  <\/p>\n<div style=\"font-size: 1.5em; color: #000000;\">\u2726<\/div>\n<p><!-- [et_pb_line_break_holder] -->  <\/p>\n<div style=\"flex: 1; height: 2px; background-color: #000000; margin-left: 1em;\"><\/div>\n<p><!-- [et_pb_line_break_holder] --><\/div>\n<p>[\/et_pb_code][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.7&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; text_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; text_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_2_font=&#8220;Cormorant Garamond|600|||||||&#8220; header_2_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_margin=&#8220;40px||||false|false&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p class=\"p1\" style=\"text-align: center;\">Lesen Sie in Teil V:<\/p>\n<p class=\"p1\" style=\"text-align: center;\"><em>In diese aufgerissene Landschaft trat Ren\u00e9 Descartes.<\/em><br \/><em>Er sollte das philosophische Fundament f\u00fcr eine neue Ordnung liefern.<\/em><br \/><em>Sein Ziel: absolute Gewissheit. Doch der Preis war hoch.<\/em><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_blurb title=&#8220;Autor Rolf Friberg. &#8220; image=&#8220;@ET-DC@eyJkeW5hbWljIjp0cnVlLCJjb250ZW50IjoicG9zdF9hdXRob3JfcHJvZmlsZV9waWN0dXJlIiwic2V0dGluZ3MiOnt9fQ==@&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.6&#8243; _dynamic_attributes=&#8220;content,image&#8220; _module_preset=&#8220;default&#8220; header_font=&#8220;||||||||&#8220; header_text_color=&#8220;#000000&#8243; header_font_size=&#8220;20px&#8220; body_font=&#8220;Cormorant SC||||||||&#8220; body_text_align=&#8220;center&#8220; body_text_color=&#8220;#FFFFFF&#8220; body_font_size=&#8220;1px&#8220; text_orientation=&#8220;center&#8220; custom_margin=&#8220;80px||||false|false&#8220; custom_padding=&#8220;32px||||false|false&#8220; border_width_all=&#8220;1px&#8220; border_radii_image=&#8220;on|100px|100px|100px|100px&#8220; locked=&#8220;off&#8220; 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