GINO CECCARELLI
„In meiner Malerei geht es darum, der Kosmovision des Amazonas näher zu kommen, sie zu verstehen, zu erfassen und neu zu erschaffen. Aber diese Quelle voller Magie, Mythen und Legenden ist unerschöpflich. Je mehr man forscht, desto deutlicher wird, dass man erst die Oberfläche berührt hat.“
Der amazonische Ursprung bildet das Gravitationszentrum von Ceccarellis Werk. Malerei ist für ihn ein Akt der Zugehörigkeit, eine Art, die Geheimnisse des Waldes zu ergründen, ohne ihnen ihr Geheimnis zu nehmen. Statt einer naturalistischen Wiedergabe entstehen intensive, symbolische Interpretationen. Die Gestalten scheinen aus dem Wasser, aus Träumen oder Nebeln zu entstehen und verbinden das Mythische mit dem Persönlichen.
In diesen Bildern wohnen Götter, Schutztiere und Gesichter, die mit Wurzeln verschmelzen, sowie Boote, beladen mit Geschichte und Sehnsucht. Es gibt Sinnlichkeit und Fremdheit, Licht und Schatten. Vor allem aber gibt es eine Suche: Ceccarelli malt keine Antworten, sondern Fragen. Wer waren wir? Was haben wir vergessen? Was bleibt, wenn der Mythos zur Landschaft wird?
Im Laufe der Jahre entstand eine eigene Ikonografie, die das Ancestrale mit dem Zeitgenössischen verbindet. Manche nennen diesen Blick „romantisch“, doch das Werk reicht weit über Nostalgie hinaus – es ist zugleich Anklage, Wiedergewinnung und Erforschung. Eine scharfe Bewusstheit für Zeit, Erinnerungsverlust und den Zusammenstoß der Kulturen macht die Kunst zu einem Ort poetischen Widerstands.
Ein visuelles Universum, zutiefst amazonisch, aber mit den Ausdrucksmitteln globaler zeitgenössischer Malerei gestaltet. Der Stil ist unverkennbar: fließende, ätherische Formen, flüchtige Figuren und ein ausdrucksstarker Umgang mit Farbe und Leere. Mehr als Amazonien darzustellen, beschwört Ceccarelli sie herauf und lädt uns ein, sie nicht als verlorenes Paradies, sondern als Quelle von Wissen und Schönheit zu sehen.
Die Werke schlagen eine emotionale Kartografie des Territoriums vor – eine Landkarte, in der sich Erinnerung, Mythos, Identität und Begehren überkreuzen. Heute gilt Gino Ceccarelli als Schlüsselfigur der zeitgenössischen amazonischen Kunst. Seine Arbeiten werden weltweit in Museen und Galerien gezeigt und öffnen neue Türen zum Unbekannten.
In Ceccarellis eigenen Worten ist das Geheimnis des Amazonas unerschöpflich. Seine Kunst demonstriert dies: Sie erklärt den Regenwald nicht, aber sie verwandelt unsere Art, ihn zu sehen. So bleiben seine Gemälde eine Einladung, die unendliche Tiefe der Wildnis und der menschlichen Seele durch amazonische Augen neu zu entdecken.
Amazonische Kunst