Christian Bendayán, El Paraiso Del Diablo

Christian Bendayán

„Meine Arbeit ist eine Feier, in der die Klischees über den Dschungel sich selbst verschlingen.“

Der Amazonas wurde lange von anderen gemalt, romantisiert, exotisiert, in der Zeit eingefroren. Christian Bendayán malt aus der Haut heraus, aus dem Amazonas, der in ihm lebt.

Christian Bendayán, Portrait

Amazonische Kunst

Christian Bendayán (Iquitos, 1973) ist eine der prägnantesten Stimmen zeitgenössischer amazonischer Kunst. Als bildender Künstler, Forscher und Kulturvermittler entsteht sein Werk direkt aus seinen Begegnungen und Beobachtungen.

Er zeigt den Amazonas nicht als idealisierte Landschaft oder mythisches Territorium, sondern als sozialen, urbanen, widersprüchlichen und zutiefst menschlichen Raum.

Bendayáns künstlerische Vision wurde auf den Straßen von Iquitos geformt — durch die Beobachtung des Alltags in seinen Vierteln, populärer Rituale, der Musik und der Spannungen, die sie durchziehen.

Von seinen frühesten Arbeiten an verstand er Malerei als Mittel, jene Realitäten sichtbar zu machen, die in offiziellen Narrativen über den Amazonas selten erscheinen.

Im Gegensatz zum Blick von außen — ob romantisch, wissenschaftlich oder extraktiv — schlägt er eine interne und kritische Perspektive vor, die sich der Widersprüche der Region vollständig bewusst ist.

In seinen Gemälden existieren marginalisierte Figuren, dissidente Identitäten, nächtliche Szenen, religiöse Bezüge, lokale Mythologien und Symbole des globalen Konsums nebeneinander, ohne Hierarchie.

Gemeinsam komponieren sie das Bild eines zeitgenössischen Amazonas, geprägt von Begehren, Fragilität und Sehnsüchten, eines vielschichtigen Lebensraums, durchzogen von der Kraft überlieferter Traditionen, kolonialer Geschichte und den Spannungen der Gegenwart.

Ein zentraler Aspekt seiner Arbeit ist die Kritik am Exotismus. Bendayán dekonstruiert überkommene Klischees des Amazonas als fremde, zeitlose oder rein natürliche Welt, durch die die Region und ihre Bewohner lange Zeit auf das Exotische reduziert und ihrer eigenen Stimme beraubt wurden. Stattdessen stellt er konkrete Menschen in den Mittelpunkt — Menschen mit eigener Stimme, persönlichen Geschichten und realen Herausforderungen. Seine Kunst ist ästhetische Handlung und kultureller Widerstand zugleich.

Über seine künstlerische Produktion hinaus hat Bendayán die kulturelle Landschaft der Region selbst mitgeprägt. Als Direktor kultureller Institutionen in Loreto und als Kurator wegweisender Ausstellungen initiierte er editorische Projekte, die die Geschichte und Gegenwart amazonischer Kunst dokumentieren. Seine Publikationen konstruieren einen historiografischen Rahmen aus der Region heraus — ein seltener Beitrag innerhalb der peruanischen Kunstlandschaft. Seine Teilnahme an der Biennale von Venedig 2019 markierte einen wichtigen Meilenstein für die internationale Sichtbarkeit amazonischer Kunst, doch sein Werk hat niemals allein externe Bestätigung gesucht.

Christian Bendayán malt den Amazonas nicht als Symbol oder Spektakel. Er zeigt ihn als gelebte Erfahrung, als Territorium, durchdrungen von persönlichen und kollektiven Geschichten, in dem das Ancestrale, das koloniale Erbe und das Zeitgenössische aufeinandertreffen, kollidieren und sich gegenseitig transformieren. Seine Arbeit lädt uns ein, den Amazonas nicht so zu sehen, wie wir ihn uns vorzustellen gelernt haben, sondern wie er tatsächlich existiert: komplex, widersprüchlich und von immenser Vitalität.

Christian Bendayáns Kunst

C.Bendayan Rio Negro
Christian Bendayan, Corazon
Christian Bendayan, Mano de Christo
Christian Bendayan, Chicas Pintadas
Christian Bendayan, Chica Guapa
Christian Bendayán, Descubrimiento
Christian Bendayan, Sireno
Christian Bendayán, Fuerza Animal